Essay

Wenn Männer mir die Welt erklären | Rebecca Solnit

10:00


In "Wenn Männer mir die Welt erklären" führt Rebecca Solnit in mehreren Essays die Mechanismen des Sexismus auf. Sie erzählt von körperlicher und verbaler Gewalt gegen Frauen, von alten und überholten Rollenbildern, von Mansplaining, Familie und Virginia Woolf.

Nachdem ich angefangen habe mich mit Feminismus zu beschäftigen, bin ich auch immer wieder auf Rebecca Solnit gestoßen. Somit war es nur eine Frage der Zeit, bis ich zu ihrer Essay-Sammlung greifen würde. Zu Anfang erzählt die Autorin von einer Begegnung, wie sie die meisten Frauen sicher schon einmal erlebt haben. Ein (meist) älterer Mann erklärt großmütig die Welt, wie selbstverständlich davon ausgehend, dass die vermeintlich unwissende Frau nur so darauf gewartet hat von ihm, dem großen Aufklärer, aufgeklärt zu werden. Im Rahmen dieses Essays prägte Solnit den Begriff "Mansplaining", welcher auch in Deutschland immer häufiger verwendet, aber auch stark diskutiert wird.

Mit viel Offenheit und noch mehr Wut spricht Solnit auch Tabuthemen, wie Gewalt gegen Frauen an. Alleine in Amerika wird alle 9 Sekunden eine Frau von einem Mann geschlagen. 9... 8... 7... 6... 5... 4... 3... 2... 1... Jetzt. Alleine in Amerika werden pro Jahr 87 000 Vergewaltigungen angezeigt, die Dunkelziffer an Vergewaltigungen liegt jedoch wesentlich höher. Alleine in Amerika sterben jedes Jahr mehr Menschen durch häusliche Gewalt als seit 2001 bis dato zusammengezählt durch Terrorismus gestorben sind. Dabei macht Solnit deutlich, dass ein Umdenken in der Gesellschaft zwingend notwendig ist. Wir dürfen uns nicht nur darauf konzentrieren, Frauen in der Opferrolle zu akzeptieren und ihnen Selbstverteidigungskurse und lange Kleidung zu verpassen, sondern Jungs und Männer müssen auch lernen, keine Täter zu werden.

Sehr gut verdeutlicht Rebecca Solnit auch, dass es bei vielen Übergriffen nicht nur um einen Übergriff von einem Mann auf eine Frau geht, sondern auch um einen Übergriff von Reich und Mächtig auf Arm und machtlos. Diesen Aspekt fand ich sehr interessant und habe daraus einige neue Denkansätze gewonnen.

Beim Lesen wird sehr deutlich, dass die Autorin immer wieder wütend ist. Und auch ich hatte immer wieder Wut im Bauch und musste mich nach den einzelnen Essays erst akklimatisieren. Dennoch ist Solnit keine stumpfe Männerhasserin und macht auch immer wieder deutlich, dass sie nicht verallgemeinert und dass selbstverständlich nicht jeder Mann Gewalt gegen Frauen ausübt. Sie verdeutlicht auch, dass es ebenso Frauen gibt, die zu Täterinnen werden.

"Wenn Männer mir die Welt erklären" macht wütend, rüttelt aber auch auf und öffnet die Augen. Insgesamt sind die gesammelten Essays wirklich sehr lesenswert.

Wenn Männer mir die Welt erklären | Rebecca Solnit | 2017 | btb | Taschenbuch | 176 Seiten | ISBN: 978-3-442-71439-1 | Preis: 9,99€

Jugendbuch

Ich gebe dir die Sonne | Jandy Nelson

10:00


JudeundNoah. NoahundJude. Die Zwillinge Jude und Noah sind eng miteinander verbunden und dennoch völlig unterschiedlich. Während Noah eher introvertiert ist, tolle Bilder malt und sich Hals über Kopf in einen Jungen verliebt, entdeckt die extrovertierte Jude roten Lippenstift, waghalsige Sprünge von der Klippe, Partys und Jungs.
Jude. Noah. Einige Jahre später reden die beiden kaum noch miteinander. Von der Verbundenheit der Zwillinge scheint kaum noch etwas übrig zu sein. Doch was ist passiert, was nicht nur das Leben der beiden, sondern auch ihre Beziehung zueinander so grundlegend verändert hat?

Auf dieses Buch bin ich unheimlich neugierig gewesen. Gefühlt jeder hat es gelesen, ständig ist es in meinem Feed bei Instagram aufgetaucht und meine Neugierde wuchs immer mehr. Dass ich keine wirkliche Vorstellung vom Inhalt hatte, tat meiner Neugierde keinen Abbruch. Entsprechend hoch sind meine Erwartungen an Jandy Nelsons Roman "Ich gebe dir die Sonne" gewesen.

Nach den ersten Seiten war ich erst einmal enttäuscht. Ich kam überhaupt nicht mit dem Schreibstil der Autorin zurecht. Ich musste mich sehr auf das Gelesene konzentrieren und hatte am Ende einer Seite das Gefühl, nicht mehr zu wissen, was am Anfang der Seite stand. Am ersten Tag habe ich das auf die Müdigkeit geschoben, am zweiten Tag auch, am dritten Tag hab ich über einen Abbruch nachgedacht. Ab etwa Seite 100 hat mich das Buch dann aber total gepackt und ich konnte es kaum noch aus der Hand legen. Es lohnt sich also, ein bisschen Geduld mit dem Buch zu haben.

Jandy Nelsons Schreibstil ist sehr besonders. Sie schreibt mit einer Wort- und Bildgewalt, die einzigartig ist. Ihre Worte sind wie bunt leuchtende Bilder, jedes für sich mit einer immensen Wucht und Leuchtkraft. Sie benutzt unheimlich viele unterschiedliche Wörter, erfindet auch manche Wörter neu und zeigt, wie vielfältig Sprache sein kann.

Doch nicht nur die farbenfrohe und bunte Sprache macht dieses Buch zu etwas besonderem, sondern auch die Geschichte von Jude und Noah hat mir gut gefallen. Die Geschichte wird abwechselnd aus Judes und Noahs Sicht erzählt. Dabei erzählt Jude meistens aus dem heute, dem "danach", während Noah meist aus dem "davor" berichtet. Inhaltlich ist "Ich gebe dir die Sonne" sehr vielseitig. Da ist Noah, der sich mit seiner Homosexualität und den damit verbundenen Hänseleien, aber auch der ersten Verliebtheit auseinandersetzen muss. Da ist Jude, die sich zur Bewältigung ihrer Verluste in Geister und Aberglauben zurückzieht, die hat was sie nicht wirklich will und vermisst was sie nicht hat. Trotz dieser Vielseitigkeit ist der Roman nicht überladen, so dass all die kleinen Mosaikteilchen am Ende ein stimmiges Gesamtbild ergeben.

Ich bin wirklich froh darüber, das Buch nicht abgebrochen zu haben. Und rückblickend verstehe ich auch, warum das Buch am Anfang seine Zeit gebraucht hat. Für diese Geduld wurde ich dann aber auch mit einer vielseitigen Geschichte belohnt, die mich sehr berührt hat. Das Durchhalten hat sich also gelohnt.

Ich gebe dir die Sonne | Jandy Nelson | cbt | 2016 | Hardcover | 480 Seiten | ISBN: 978-3570164594 | Preis: 17,99€

Buchliebe

#femaleauthors

17:48


Auf Instagram wurde ich von Juliane von iamjane.de und von Elena von emeraldnotes.de zu #femaleauthors getaggt. Deswegen möchte ich euch heute einen Blick in mein Buchregal werfen lassen.

Von der Nigerianerin Chimamanda Ngozi Adichie habe ich bislang "Americanah" und "We should all be feminists" gelesen. Beide Bücher haben mir sehr gut gefallen und die weiteren Bücher der Autorin stehen natürlich auf meiner Wunschliste. Adichie hat mir einen Einblick in eine für mich neue literarische Welt geboten und sie hat mein Interesse an Autorinnen und Autoren aus Afrika geweckt. Doch nicht nur deswegen finde ich sie toll, sondern auch, weil sie in Interviews einen unheimlich klugen und sympathischen Eindruck macht. Eine starke Frau, von der wir sicherlich noch viel hören werden.

Alle Bücher, die ich bislang von Adriana Popescu gelesen habe, haben mir sehr gut gefallen. Adrianas Schreibe lässt sich super lesen. Sie erschafft nicht nur tolle Figuren, sondern auch in jedem ihrer Bücher eine schöne Atmosphäre zum Wohlfühlen. Ihre Geschichten sind romantisch aber nicht kitschig und vor allem immer wieder inspirierend. So hat mich "Lieblingsmomente" damals nach dem Lesen angeregt, wieder mehr zu fotografieren.

Enid Blyton hat mich vor allem mit ihrer Serie um Dolly und das Internat Burg Möwenfels durch meine Kindheit begleitet. Ich habe die Bücher verschlungen, habe mich immer gefreut wenn ich einen neuen Teil bekommen habe. Noch heute haben alle 18 Bände einen Ehrenplatz in meinem Buchregal. Und natürlich wollte ich damals auch unbedingt auf ein Internat gehen.

Bei dem Wort "Schriftstellerin" denke ich automatisch an Jane Austen. Auch wenn ich noch nichts von ihr gelesen habe (was sich bald ändern wird), so habe ich schone einiges über sie gelesen.

Cheryl Strayed hat mich mit ihrer Biografie über ihre Wanderung über den PCC nicht nur zutiefst beeindruckt, sondern auch sehr inspiriert. Ich habe "Wild" auf deutsch und englisch gelesen, inzwischen schon mehrfach. Nach dem ersten Lesen habe ich mir Wanderstiefel gekauft und träume seit dem davon, auch einmal eine längere Wanderung zu machen.

Die Kölner Autorin Melanie Raabe ist nicht nur klug, sympathisch und bildhübsch, sondern schreibt auch richtig tolle Bücher. Ihr Debut "Die Falle" und dessen Nachfolger "Die Wahrheit" habe ich jeweils in kürzester Zeit verschlungen. Melanie ist weltweit erfolgreich und auch die Filmrechte an "Die Falle" wurden bereits verkauft. Erfolg made in Germany - unbedingt lesen!

Ruta Sepetys hat mich im vergangenen Jahr mit gleich zwei Büchern tief beeindruckt. Nach "Salt to the Sea" habe ich "Between Shades of Grey" von ihr gelesen. Beide Geschichten sind sehr intensiv, hallen lange nach und sind sehr lehrreich. Auch wenn ich schon viel über den 2. Weltkrieg und den Nationalsozialismus gelesen habe, hat mir die Autorin mit beiden Büchern noch einmal völlig neue Aspekte nahe gebracht.

Es gibt natürlich noch viel mehr tolle Autorinnen, für heute möchte ich es aber bei dieser Auswahl belassen. Die Werke welcher Autorinnen wohnen in euren Bücherregalen?

Instagram: @Literameer