Krimi/Thriller

Good as Gone | Amy Gentry

21:09


Mit 13 Jahren wird Julie aus ihrem Kinderzimmer entführt. Acht Jahre später hat die Polizei den Fall längst zu den Akten gelegt und ihre Familie versucht irgendwie mit dieser entsetzlichen Lücke weiterzuleben. Als plötzlich Julie vor der Türe steht, scheint das verloren geglaubte Familienglück wieder perfekt zu sein. Doch irgendetwas an Julies Geschichte scheint nicht zu stimmen und die Zweifel ihrer Familie werden immer größer. Ist Julie wirklich die, die sie vorgibt zu sein? Und was ist damals eigentlich genau passiert?

Amy Gentry hat mich von den ersten Seiten an in den Bann der Geschichte gezogen. Sie versteht es sehr gut einen Spannungsbogen aufzubauen, und diesen auch zu halten. "Goos as Gone" wird aus verschiedenen Perspektiven und auf verschiedenen Zeitebenen erzählt. Manchmal war dies im ersten Moment ein wenig wirr, der rote Faden war dennoch immer deutlich erkennbar. Immer wieder hatte ich Ideen und Vermutungen was wohl passiert ist und immer wieder haben sich diese Ideen als Falsch heraus gestellt. Ich mag es sehr bei einem Thriller mitraten zu können, nur um dann am Ende doch überrascht zu werden.

Während des Lesens habe ich viel darüber nachgedacht, was die Identität eines Menschen eigentlich ausmacht und wie wir unsere Identität bilden. Aber auch über Familie und familiären Zusammenhalt musste ich beim Lesen nachdenken, denn neben der Entführung stehen diese beiden Themen im Vordergrund der Geschichte. Stellenweise könnte das Buch daher auch gut ein Familiendrama und nicht unbedingt ein Thriller sein.

Weil mich die Geschichte so gefesselt hat, habe ich das Buch in kürzester Zeit gelesen und wurde während dieser Zeit gut unterhalten. "Good as Gone" ist eine spannende Lektüre mit Tiefgang, welche zum nachdenken anregt. Lesenswert!

Good as Gone | Amy Gentry | Übersetzung: Astrid Arz | C. Bertelsmann Verlag | 2017 | Broschiert | ISBN:  978-3570103234 | Preis: 12,99€


Flucht

Anschlag von rechts: Nach einer wahren Begebenheit | Reiner Engelmann

15:00


In einer Flüchtlingsunterkunft, irgendwo in einer deutschen Kleinstadt, wird ein Brandanschlag verübt. Die Bewohner können sich zum Glück rechtzeitig in Sicherheit bringen, so dass niemand verletzt wird. Doch Angst, Schock und Verunsicherung sitzen tief bei den Menschen, die sich doch hier in Deutschland endlich sicher fühlten.
Einige Stunden vor dem Brandanschlag treffen sich drei Freunde in einem Schuppen. Es wird Alkohol getrunken, im Hintergrund läuft Rechtsrock und die rassistische und ausländerfeindliche Hetze der sozialen Medien im Hinterkopf stachelt sich die Stimmung immer weiter auf - bis die Situation eskaliert und ein Molotowcocktail durch ein Fenster geworfen wird.
Diese Tat ist tatsächlich geschehen. Reiner Engelmann hat sich intensiv mit der Tat, den Tätern, den Tatmotiven, vor allem aber auch mit den Opfern der Tat und ihren Geschichten auseinander gesetzt.

Alleine 2016 gab es in Deutschland zwischen 800 und 1000 Anschläge auf Flüchtlingsheime. In 2015 waren es ähnlich hohe Zahlen. Die Aufklärungsquote solcher Anschläge ist laut Medienberichten jedoch gering. Immer wenn ich Berichte über Anschläge auf Flüchtlingsheime oder auch einfach solche Statistiken lese, frage ich mich, was Menschen dazu bringt eine solche Tat zu begehen. Deswegen hat mich "Anschlag von rechts" sehr interessiert, versprach ich mir doch weitere Einblicke in die Hintergründe einer solchen Tat zu erhalten. Wirklich neu oder überraschend war für mich jetzt nichts von dem, was der Autor über die Täter schreibt. Da sich das Buch aber eher an junge Leser richtet, und diese sich häufig auch noch nicht so sehr mit dem Thema auseinander gesetzt haben, ist das Buch genau richtig so wie es ist. Es erzählt, es liefert fundiertes Wissen und macht deutlich, dass rechtes Gedankengut längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen ist.

Reiner Engelmanns Schreibstil ist eher sachlich, jedoch keineswegs trocken oder langweilig, so dass sich das Buch wie eine Mischung aus Sachbuch und Roman lesen lässt. Mir hat die Schreibe passend zum Thema gut gefallen und ich fand sie gut zu lesen. Trotz der eher nüchternen Schreibe, kommt das Buch nicht ohne Gefühle und Emotionen daher, wenn die Geschichte der Bewohner der Unterkunft erzählt wird.

"Anschlag von rechts" ist sehr vielseitig, denn es kommen wirklich alle zu Wort; Opfer, Täter, Angehörige von Tätern aber auch Richter und Anwälte. So entsteht ein sehr komplexes Gesamtbild, welches einen guten Eindruck des Themas vermittelt. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich finde es sehr lesenswert, besonders auch für jüngere Leserinnen und Leser.

Anschlag von rechts: Nach einer wahren Begebenheit | Reiner Engelmann | 2017 | cbj | Hardcover | XX Seiten | ISBN: 978-3-570-17437-1 | Preis: 14,99€

Abenteuerroman

Die goldene Stadt | Sabrina Janesch

06:00


Augusto Berns kann sich schon als kleines Kind für Gold begeistern und in andere Welten wegträumen. Als er zum ersten Mal von Peru und der verlorenen Stadt der Inka, El Dorado, liest, ist es sofort um ihn geschehen. Aller Widrigkeiten zum Trotz schafft der junge Deutsche es tatsächlich nach Südamerika. Mit mehr Mut und Glück als Verstand schlägt er sich durch den peruanischen Dschungel, kämpft gegen die Spanier, hilft beim Bau der Eisenbahn und verliert seinen großen Traum, die goldene Stadt zu finden, doch nie aus den Augen. 1887 gelingt ihm das schier unglaubliche, Berns entdeckt das sagenumwobene Machu Piccu und auf einmal spricht die ganze Welt von Berns. Dennoch geriet die Geschichte irgendwann in Vergessenheit und lange galt ein anderer als Entdecker der verlorenen Stadt. Erst seit kurzem weiß man wieder, dass der deutsche Berns Machu Piccu entdeckt hat.

Sabrina Janesch hat sich auf die Spuren des Entdeckers begeben, nachdem sie zum ersten Mal von ihm gelesen hat. Schritt für Schritt kommt sie ihm und seinem Leben immer mehr auf die Spur, bis ein umfassendes Bild von Berns und seinem Lebensweg entsteht. All diese Puzzleteile hat sie zusammengetragen und entstanden ist daraus ein spannender und interessanter Abenteuerroman.

Die Schreibe der Autorin lässt sich leicht und angenehm lesen. Streckenweise hat sich die Geschichte etwas gezogen, und das Lesen hat etwas Durchhaltevermögen erfordert, aber insgesamt war die Neugierde dann doch immer stärker, so dass ich weitergelesen habe und dafür dann auch wieder mit spannenden Passagen belohnt wurde. Besonders gut gefallen haben mir die Beschreibungen der Natur und der Landschaft. Diese sind sehr genau, so dass ein gutes Bild vor meinem inneren Auge entstanden ist.

Sehr beeindruckt hat mich Augusto Berns unerschütterliche Glaube an sich selbst und daran, dass er die verlorene Stadt finden wird. Berns war auf jeden Fall eine sehr starke Persönlichkeit. Und auch wenn er in echt vielleicht ganz anders war als im Roman geschildert, so freut es mich doch für diesen Charakter, dass er wenn auch spät, nun die verdiente Anerkennung für sein Lebenswerk erhält.

Dafür dass ich die erzählte Geschichte insgesamt recht detailliert fand, fehlen mir am Ende ein paar Details. Hier hätte ich mir einige Infos mehr sehr erwünscht, vor allem würde mich sehr interessieren, warum Berns tat was er tat. Ob diese Lücke bewusst ist, oder ob hier wenig reale Informationen vorlagen weiß ich nicht, spannend diese Lücke zu füllen wäre es aber schon.

Insgesamt hat mir "Die goldene Stadt" wirklich gut gefallen. Es war nicht nur spannend, sondern auch sehr informativ mit Augusto Berns auf Entdeckungsreise zu gehen und so mehr über die damalige Zeit und über Peru zu erfahren.

Die goldene Stadt | Sabrina Janesch | Rowohlt | 2017 | Hardcover | 528 Seiten | ISBN: 978-3871348389 | Preis: 22,95€

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